Die SZ-Studie

Hallo Zusammen,

hier nach langer Zeit die Ergebnisse des Onlinefragebogens zum Mail-Verhalten unter Usern der Sklavenzentrale (SZ), einem der größten Onlineportale für BDSM-Interessierte. Diese Daten haben nichts mit meiner Masterarbeit zu tun, ich veröffentliche sie hier, weil diese Seite schon existert und die Chance relativ hoch ist, dass die Adressaten beider Studien sich auch für die jeweils andere interessieren.

Die hier vorgestellten Daten wurden Anfang 2016 erhoben und lagen seitdem auf meiner Festplatte. Es gab immer viel zu tun und auch eine kleine Datenanalyse war ein großer Zeitfaktor. Diese Daten sind also nicht mehr taufrisch. Es sei auch noch zu sagen, dass zu diesem Zeitpunkt in der SZ noch das alte Mail-System genutzt wurde, bei dem jeder User 25 Mails pro Tag verschicken konnte und es keine Kontaktanfragen gab.

Die Ergebnisse der Umfrage dürften für die breite Masse nicht von großer Bedeutung sein, aber SZ-User und Menschen, die sich für das Thema Online-Dating interessieren, finden die Daten vielleicht interessant und unterhaltsam.

Ziel der Untersuchung war es, explorativ die Motive und Gedanken der User rund um das Schreiben und Empfangen von Privatnachrichten (Mails) zum Zweck der ersten Kontaktaufnahme zu erfragen.

Des Weiteren sollte die Frage beantwortet werden, welche Faktoren beeinflussen, wie viele Mails ein User kriegt. Mancher mag sagen, dass diese Frage auch ohne einen Datensatz mit fast 1000 Probanden zu beantworten gewesen wäre, aber ich sage, lest erst mal die Daten. Danach wisst ihr vermutlich, dass ihr Recht hattet.

Es wurden, frei nach dem Motto „Correlate Everything!!!!“, eine ganze Reihe Korrelationen gerechnet, von denen ich die interessantesten erwähnen werde. Alle dazustellen oder zu beschreiben wäre zu viel Aufwand.

Ich habe sicher nicht das letzte aus diesen Daten herausgekitzelt und ich habe auch nicht vor, sie auf die trockene aber gründliche Art darzustellen, die einem wissenschaftlichen Standard genügen würde. Vielmehr präsentiere ich ein paar Statistiken und nenne die Gedanken und Schlüsse die mir dazu plausibel erscheinen. Kommentare und Anregungen dazu sind willkommen.

Fangen wir damit an die Stichprobe zu beschreiben. Insgesamt haben 954 Probanden an der Umfrage teilgenommen. Da es sich aber ein erheblicher Teil auf halber Strecke anders überlegt hat oder sehr lustige, jedoch nicht plausible Angaben gemacht hat (besonders danke ich dem Bruder des Adeptus Astrates, der seine vollen 2,30m und 180kg der Wissenschaft zur Verfügung gestellt hat), musste der Datensatz zunächst bereinigt werden. Danach waren noch 538 Fälle übrig, auf die sich die folgenden Statistiken beziehen.

Das durchschnittliche Alter der Stichprobe war 40.91 Jahre (Standardabweichung (SD) = 11.85) auf Geschlecht aufgeteilt war das Durchschnittsalter 43.8 (SD= 10.85) bei den Männern und 37.91 (SD=10.73) bei den Frauen. Damit ist die Gruppe der Männer signifikant älter als die Gruppe der Frauen (T(523)=6.25; p<.001) Die Nicht-Binären (Transvestiten, Transsexuelle und Transgender) waren eine sehr kleine Gruppe mit einem Durchschnittsalter von XX.XX.

Da die Nicht-Binären eine sehr kleine Gruppe waren, die aber als Kategorie in den meisten Tabellen recht viel Platz einnehmen, habe ich sie der Übersicht halber nur in manchen Grafiken aufgeführt. Auch bei X²-Tests verfälschen kleine Gruppen häufig das Ergebnis, weshalb diese sich nur auf den Kontrast zwischen Cis-Männern und Cis-Frauen beschränken. Statistik ist eben nicht immer politisch korrekt.

AlterAbbildung 1 Zeigt die Verteilung des Alters, nach Männern und Frauen

265 (49.5%) der Probanden männlich, 258 (48.2%) weiblich und 11 (2.1%) Trans/Nicht binär.

3.4% gaben finanzielles Interesse an, 90.0%  leben in Deutschland, 5.9% in Österreich, 3.4% in der Schweiz und 0.8% ganz wo anders.

Neigung und GeschlechtAbbildung 2 zeigt die Verteilung der Neigungen (Aktiv, Passiv, Switch) innerhalb der Geschlechter. Der Chi Quadrat-Test ist signifikant mit p<.001, was salopp bedeutet, dass die Unterschiede, die wir hier sehen, zu 99.9% nicht nur Zufall sind. Wir sehen also, dass bei den Männern die Mehrheit aktiv oder switch ist, nur ein knappes drittel ist rein passiv. Im Allgemeinen sind die drei Neigungen aber recht ausgeglichen. Bei den Frauen sieht dies ganz anders aus, hier sind volle zwei Drittel nur passiv, und nur 12.8% rein aktiv.

Hier sehen wir eben ein Missverhältnis. Selbst wenn sich die weiblichen Aktiven und Switcher verbünden würden um alle männlichen Passiven zu bespaßen wären sie dafür gerade genug. Die männlichen Switcher müssten dann wohl erkennen, dass sie eigentlich doch mehr aktiv sind, um ihre Kameraden zu verstärken, die das schon immer wussten. Dies ist nun natürlich plakativ und bildet nicht die Realität ab, aber wenn man davon ausgeht, dass diese Daten für die BDSM-Szene repräsentativ sind, dann ist vor allem für die FemDom-MaleSub-Konstellation ein Missverhältnis zu erkennen, dass für die Folgenden Analysen im Hinterkopf zu behalten ist. Dies bildet natürlich nur heterosexuelle Konstellationen ab, allerdings ist die SZ mehrheitlich heterosexuell, zumindest was die Männer angeht.

Bei den nicht binären ist die Verteilung sehr extrem, aber hier gilt es zu beachten, dass es sich insgesamt um 10 Passive und ein* Switch handelt.

Es folgen ein paar Grafiken zu den Antworten, die auf die Frage nach der Gründlichkeit und den Details, auf die die Probanden, beim Betrachten des Profils eines anderen Users achten, eingehen. Hier konnte jeder Proband nur eine Antwort geben. Die Prozente summieren sich innerhalb des Geschlechts also zu 100 auf (kleinere Abweichungen liegen an der Rundung der einzelnen Werte)

 

Wie genau LesenLaut Abbildung 3 lesen also mehr als 90% aller User Profile durchaus gründlich durch, bevor sie in die Tasten hauen. Vielleicht bin ich etwas zynisch, aber hier könnte ein sehr schönes Beispiel für soziale Erwünschtheit in Fragebogenstudien vorliegen.

Wichtig ProfiltextAbbildung 4 zeigt, dass die Mehrheit der Probanden den Text in einem Profil schon einigermaßen wichtig findet. Die hier abgebildete Skala lässt sich auch in Nummern codieren (1=gar nicht – 5=extrem). Die nächsten  Skalen wurden nach diesem Schema codiert. Der Durchschnittswert bei dieser Frage war 3.95 für Männer und für Frauen 4.13, dieser Unterschied ist mit T(466)=-2.63; p=.009 signifikant. Mit einem Durchschnittswert von 4.04 für beide Geschlechter liegt der Profiltext auf dem 1. Platz was die Wichtigkeit angeht.

Wichtig NeigungAbbildung 5. Neigungen scheinen den Frauen mit 3.72 weniger wichtig zu sein als den Männern mit 3.92 (T(447.31)=2.37; p=.018). Insgesamt sind Neigungen den Usern wohl recht wichtig. Sie liegen mit 3.83 auf Platz zwei hinter dem Profiltext, Männer und Frauen unterscheiden sich hier nicht.

 

Wichtig ProfilbildAbbildung 6 bezieht sich auf das Profilbild. Hier scheinen die Männer mit einem Durchschnittswert von 3.66 signifikant (T(452.0)=2.23; p=.026) mehr Wert auf optische Reize zu legen als die Frauen mit 3.47. Bei Männern liegt das Profilbild in der Prioritätenliste auf Platz drei, bei Frauen erst auf 5. Zusammengenommen liegt das Profilbild auf Platz drei.

EntfernungAbbildung 7. Wohnort und Entfernung liegen insgesamt in der Priorisierung auf Platz vier, Männer (3.43) und Frauen (3.62) unterscheiden sich hier nicht signifikant (T(460)=-1.69;p=.091), allerdings liegt dieser Wert bei den Frauen auf Platz drei.

Wichtig AlterAbbildung 8. Alter hingegen ist etwas, das den Frauen (3.59) scheinbar wichtiger ist als den Männern (3.27) (T(464)=-3.275; p=.001). Insgesamt liegt Alter mit 3.43 in der Prioritätenfolge auf Platz fünf, bei Frauen sogar auf Platz vier.

Wichtig RealAbbildung 9. Insgesamt auf Platz sechs in der Priorität logiert der Realstatus mit durchschnittlich 3.26, bei den Männern liegt er nur auf Platz sieben. Männer (3.16) und Frauen (3.37) unterscheiden sich hier nicht (T(461)=-1.744;p=.082).

Wichtig BMIAbbildung 10. Größe und Gewicht scheinen Frauen (3.17) und Männern (3.25) etwa gleich wichtig zu sein, dieser Unterschied ist jedenfalls statistisch nicht signifikant (T(461)=.789;p=.431). Insgesamt liegt dieser Wert mit 3.21 auch nur auf Platz 7, bei Männern allerdings auf Platz 6.

Wichtig GalerieAbbildung 11. Auch bei der Bildergalerie sind die Männer mit 2.77 mehr Augentier als die Frauen mit 2.51(T(450)=2.68; p=.008). Mit im Schnitt 2.64 Punkten liegt die Bildergalerie in der Wichtigkeit auf Platz 8, bei den Männern liegt sie sogar nur auf Platz 9 (letzer Platz), bei den Frauen auf 8.

Wichtig OnlineAbbildung 12. Insgesamt auf dem Letzten Platz in der Prioritätenliste liegt, ob ein Profil vor kurzem noch online war. Männer (2.87) finden dies offenbar ein wenig wichtiger als Frauen (2.28)  (T(453)=5.295;p<.001), bei ihnen liegt diese Kategorie auch auf Platz 8 (vorletzte).

Es gab in dieser Umfrage auch zwei Multiple-Select-Fragen, das heißt, dass die Probanden mehrere Antworten gleichzeitig auswählen konnten.

Hier wurde Gefragt: „Aus welchen Gründen finden Sie eine Mail, die Sie von einem fremden User erhalten haben, positiv?“ und „Aus welchen Gründen finden Sie eine Mail, die Sie von einem fremden Userer erhalten haben, negativ?“. Die folgenden Tabellen zeigen, wie viel Prozent der Männer und Frauen die jeweilige Option ausgewählt haben.

Warum PositivAbbildung 13 Frauen scheinen mehr Wert auf Witz und Ausdrucksweise und Bezug auf das eigene Profil zu legen, wohingegen die Männer vor allem auf Gemeinsamkeiten und Fotos zu achten scheinen. Alles in allem gehen die Tendenzen hier nicht so sehr auseinander.

Negativ Warum #3Abbildung 14. Diese Liste ist um einiges länger, doch in fast allen Fällen haben wesentlich mehr Frauen als Männer die jeweiligen Punkte ausgewählt. Besonders groß ist die Diskrepanz bei „Ich fühle mich durch die Nachricht nicht als Person, sondern als Objekt wahrgenommen.“ Von diesem Problem sind Frauen übrigens nicht nur in der SZ häufiger betroffen als Männer.

Ansonsten werden noch standardisierte Massenmails von den Frauen sehr häufig genannt. Hier ist zu erinnern, dass es sich noch um das alte Mailingsystem in der SZ handelte. Es wäre interessant zu überprüfen, ob dieser Punkt heute noch genauso oft gewählt würde. Dreiste, unhöfliche und impertinente Nachrichten scheinen auch recht häufig zu sein. Dies scheint immerhin auch die Hälfte der Männer zu stören. Ebenso nennen viele Frauen, aber eben auch fast die Hälfte der Männer, dass nicht-lesen des eigenen Profile als einen Grund Nachrichten nicht zu mögen. Mysteriös,  wo doch fast jeder angegeben hat ein Profil fast immer sehr gründlich zu lesen, bevor es angeschrieben wird. Hier liegt allerdings sicher auch ein Selektionseffekt der Stichprobe vor, die User, die sich nicht die Zeit nehmen Profile zu lesen, haben sicher auch wenig Lust an einer Umfrage teilzunehmen, die User die sich die Zeit für eine Umfrage nehmen, haben möglicherweise auch eher die Muße ein Profil bis zum Ende zu lesen.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass Frauen wesentlich mehr der Gründe nennen, sich über eine erhaltene Nachricht nicht zu freuen, als Männer. Aber um mal wieder etwas allgemein bekanntes in Zahlen zu kleiden: In dieser Stichprobe haben Frauen im Schnitt angegeben 10.16 Mails (SD=20.54) pro Woche zu bekommen, Männer hingegen im Schnitt nur 1.4 (SD= 3.44). Hier sei auch für alle, die sich nicht gerne mit Statistik befassen, auf die Standardabweichung hingewiesen; diese ist mit 20.54 sehr groß. Dies deutet darauf hin, dass die Schwankung hier sehr groß ist. Manche Frauen bekommen sehr wenige Mails, manche dafür aber auch sehr, sehr viele. Hier ist einschränkend zu sagen, dass es sich hier um Selbstauskünfte handelt, 200 Mails mögen ein wenig „gefühlt“ klingen, sind dann aber auch gerade für neu angemeldete Frauen wieder nicht unrealistisch. Das Verhältnis zwischen positiv und negativ bewerteten Mails ist bei Frauen auch deutlich mehr in Richtung negativ verschoben, als bei den Männern.

Zu guter Letzt habe ich die Frage „Wovon hängt es denn nun ab wie viele Mails ich bekomme?“ noch versucht mit Hilfe einer multiplen Regression zu beantworten.

Für alle die, die in ihrem Profil unter Fetisch/Neigung „SPSS“ stehen haben dürfte die folgende Tabelle für sich selbst sprechen, für alle anderen…

Regression… geht es hier weiter. Eine Regression ist ein statistisches Verfahren, das benutzt wird um vorherzusagen, wie sehr ein Merkmal (der Prädiktor), zum Beispiel das Geschlecht, Einfluss auf ein anderes Merkmal (das Kriterium), wie zum Beispiel die Anzahl erhaltener Mails in einer Woche, hat. Wir wissen bereits seit Erfindung des Online-Datings, dass Frauen mehr Mails bekommen als Männer, daher mag dies Trivial wirken. Allerdings habe ich in dieser Umfrage ja mehrere Merkmale erhoben und diese lassen sich in einer multiplen Regression alle zusammen in ein mathematisches Modell einpflegen. Hier wird also berechnet wie hoch der Einfluss eines Prädiktors auf das Kriterium unter Berücksichtigung aller anderen Prädiktoren im Modell.

Die Prädiktoren in diesem Modell waren: Alter, Finanzielles Interesse, Geschlecht (Codiert als Männlich und Trans), Neigung (Aktiv und Switch), Kontaktwunsch, Kontaktwunsch nur platonisch, BMI sowie die Interaktionen Männlich und Aktiv, Männlich und Switch, Männlich und Passiv, Weiblich und Aktiv, Weiblich und Switch und zuletzt Weiblich und Passiv.

Da die Prädiktoren sich gegenseitig beeinflussen werden mehrere Modelle berechnet. Bei jedem neuen Modell fliegen die Schwächsten Prädiktoren aus dem alten Modell heraus. Dadurch wird das Modell immer besser und passender, bis das Ausschließen von Prädiktoren nichts mehr verbessern kann. Dies ist dann das finale Modell.

In diesem Fall sind geblieben: Alter, Switcher, Kontakt erwünscht (wobei dies nicht signifikant ist), der BMI sowie die Interaktionen Männlich und Switch, Weiblich und Aktiv sowie Weiblich und Passiv.

Was sagen uns nun die Werte? Am Anfang ergibt es Sinn sich anzuschauen, ob alle diese Prädiktoren auch signifikant sind. Das ist in diesem Fall für alle Prädiktoren außer „Kontakt erwünscht“ der Fall, dieser ist mit p=.06 knapp nicht mehr signifikant. Was es mit statistischer Signifikanz auf sich hat erfahrt ihr hier.

Als nächstes sind die Regressionskoeffizienten interessant, denn sie sagen wie stark der Einfluss des Prädiktors ist. Es gilt die Faustregel: Mit einer Einheit des Prädiktors steigt auch das Kriterium um eine Einheit. Dies ist bei verschiedenen Metriken wie Jahren, BMI-Punkten, Mails und Antworten auf den ersten Blick verwirrend, dann aber auch wieder nicht.

Für jedes Jahr, dass ein User älter als 41 Jahre (der Altersdurchschnitt der Stichprobe) ist, bekommt er gerundet 0.2 Mails weniger. Mit 36 gibt’s also eine Mail mehr, mit 46 schon wieder eine weniger. Ähnlich verhält es sich mit dem BMI. Hier war der Mittelwert 25.56, Männer und Frauen unterschieden sich kaum. Für jeden vollen BMI-Punkt mehr gibt es im Schnitt 0.36 Mails weniger in der Woche.

Bei den restlichen Prädiktoren handelt es sich um Fragen, sogenannte dichitome Prädiktoren. Hier gibt es alles oder nichts. Ein Switcher bekommen also im Schnitt 7.4 mehr Mails pro Woche als Nicht-Switcher. Allerdings bekommen paradoxerweise männliche Switcher fast 8 Mails weniger. Dies wäre nicht unplausibel, allerdings ist Weiblich und Switch aus dem Modell geflogen. Hier darf mich gerne jemand mit tiefergreifenden Statistikkenntnissen erleuchten. Aus eigener Erfahrung kann ich jedenfalls sagen, dass männliche Switcher in der SZ sehr wenig Post bekommen.

Weibliche aktive User bekommen im Schnitt fast 13 Mails mehr pro Woche, weibliche passive User immerhin noch 5.7 mehr.

Der beste Prädiktor dafür eine Menge Nachrichten in der SZ zu bekommen ist also eine FemDom zu sein. Dies passt ausgesprochen gut zu der Seltenheit dieser Kategorie, im Verhältnis zu den MaleSubs. Weibliche Passive bekommen aber auch noch immer wesentlich mehr Nachrichten als der Durchschnitt. Das Geschlecht ist also vor allem mit Bezug auf die Neigungen von Bedeutung. Alter und BMI treten mehr in den Hintergrund, wobei diese Prädiktoren eben metrisch skalliert sind und daher natürlich nicht so spektakuläre Zahlen ausspucken. Mit einer 20 in Alter und BMI sind pro Woche immerhin schon fast 6 Malis mehr im Postfach als beim Durchschnitt. Aber auch diese beiden Werte sind sicher nicht ohne das Geschlecht des Adressaten zu beurteilen.

Die meisten Mails richten sich an weibliche User, hier liegt die Alterspräferenz der männlichen User bei Anfang 20. In seinem Buch „Dataclysm“ stellt Christian Rudder fest, dass die meisten männlichen User zwar auf ihren Profilen angeben, Partnerinnen in ungefähr ihrem Alter zu suchen, dann allerdings im Schnitt Frauen im Alter von 22 Jahren anschreiben. Und das galt für Männer jeden Alters. 38% der Frauen in dieser Stichprobe scheinen den Absender einer Mail oft als zu alt zu empfinden, was zu dieser Aussage passt. 30% finden ihre Verehrer aber auch zu Jung.

Bei Frauen, den häufigsten Adressaten für Nachrichten in der SZ, dürfte jünger = mehr also stimmen. Umgekehrt wäre das Alter vermutlich nicht so einfach als Prädiktor, dass es aus Sicht der Frauen eher zum eigenen Alter passen muss.

Ähnlich verhält es sich mit dem BMI. Frauen fühlen sich nicht zufällig häufiger durch die Nachrichten, die sie bekommen, als Objekte wahrgenommen. Die Objektifizierung weiblicher Körper und der Wandel von Schönheitsnormen hin zu immer dünneren Idealen ist recht gut beschrieben und die BDSM-Szene macht hier ganz sicher keine Ausnahmen. Es ist auch bemerkenswert, dass sehr viele Frauen keine Angaben zu ihrem Gewicht gemacht haben. Ob dies nur für diese Umfrage gilt oder auch ihre Profile wiederspiegelt, lässt sich nicht feststellen. Es ist aber durchaus denkbar, dass es viele weibliche User gibt, die den Gedanken unangenehm finden, nach ihrem Gewicht bewertet zu werden und dies daher nicht in ihren Profilen stehen haben.

Abschließend sei zu dieser Regression noch zu sagen, dass sie mit einem korrigierten R² von .152 nicht überbewertet werden sollte. „R²“ ist die Varianzaufklärung, dies zu erklären würde hier etwas den Rahmen sprengen, interessierte Menschen finden aber hier eine Erklärung. Für alle anderen sei gesagt, dass dieser Wert angibt, wie viel der Varianz in den erhaltenen Nachrichten von dem Modell aufgeklärt wird. Ca. 15.2% der Unterschiede in der Anzahl der Nachrichten können durch die genannten Prädiktoren erklärt werden. Ergo bleiben 84.8% Raum für Spekulationen, was noch alles einen Einfluss haben könnte, wozu mit diesen Daten aber nichts gesagt werden kann. Gute Kandidaten sind der Profiltext und Profilbilder. Gerade die männlichen Probanden haben angegeben, sehr auf Bilder zu achten, die sich aber in einer so großen Erhebung nicht strukturiert erfassen lassen. Noch komplizierter wird es mit Profiltexten und ihrem Inhalt. „Einfallsreiche Beleidigungen in Capslock“ wird vielleicht weniger Post provozieren als „Ich bin neu hier und suche […]“. Auch werden User in dicht besiedelten Regionen sicher mehr Post bekommen als in abgelegenen Gegenden, sind Partner im Profil verlinkt oder ist der User im Forum aktiv? Hier gibt es sicher noch viel unentdecktes Land.

Zusammen mit den Feiertagen endet hier mein Bericht. Es wird sicher wieder einige Menschen geben, die der Meinung sind, dass das was ich hier präsentiert habe, unübersichtlich und für den Laien nicht zu verstehen ist. Diese Leute haben sicher bis zu einem gewissen Grad Recht, allerdings würde es diesen Text um ein Vielfaches vergrößern, wenn jedes verfahren bis ins Kleinste erklärt wäre. So ziemlich alles sollte mit den Angaben im Text im Internet nachlesbar sein, wenn es denn interessiert. Andernfalls bitte ich einfach um Vertrauen in meine Interpretation der Ergebnisse.

Eine Hand voll Menschen wird diesen Text lesen und vielleicht denken, dass dieser sehr vage, unvollständig und unwissenschaftlich ist. Auch diese Leute haben Recht. Ich habe nicht mit aller Gründlichkeit gearbeitet. Dieses Projekt habe ich aus eigenen Stücken in meinem Bachelorstudium begonnen und nun neben meinem Beruf, in dem ich mir diese Nachlässigkeit nicht erlauben könnte, zu Ende gebracht. Fachliche Kritik und genauere Auskünfte lassen sich aber immer und gern austauschen.

Ich hoffe aber, dass die Mehrheit der Leser diesen Text und die darin vorgestellten Daten einigermaßen interessant und unterhaltsam fanden und mit sich und ihren Erfahrungen in der SZ in Verbindung bringen können.