Was ist Oxytocin?

Was ist Oxytocin?

Unter den Hormonen ist Oxytocin vergleichsweise prominent und von tadellosem Ruf. In den letzten Jahren gab es eine Menge interessanter Erkenntnisse darüber wie Oxytocin auf unseren Körper und Geist wirkt, viele davon haben auch in den Medien Aufsehen erregt.

Oxytocin trägt unter anderem den Spitznahmen Bindungs- oder auch „Kuschelhormon“. Dies verdankt es vor allem seiner prosozialen Wirkung. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Bindung zwischen Mutter und Kind. So wird es bei der Geburt, beim Stillen, bei Körperkontakt zwischen Mutter und Kind und sogar wenn eine Mutter ihr Kind riecht, ausgeschüttet. Diese Rolle spielt das Oxytocin über eine lange Evolutionsgeschichte hinweg bei fast allen Säugetieren.

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Bei uns Menschen und unseren näheren Verwandten übernimmt das Oxytocin aber auch noch, über das Mutter-Kind-Verhältnis hinaus, weitere soziale Funktionen. So konnte festgestellt werden, dass Oxytocin, wenn es künstlich verabreicht wird, das Vertrauen gegenüber anderen Menschen stärkt, die Angst vor Neuem senkt und die Erinnerung an Gesichter verbessert.

Außerdem hat Oxytocin eine Stress senkende Wirkung. Bekommen wir in stressigen Situationen soziale Unterstützung von Freunden, so wird Oxytocin ausgeschüttet, was die Ausschüttung von Stresshormonen bremst.

Der für dieses Projekt jedoch interessanteste Effekt des Oxytocins ist sein Einfluss auf das Sexualverhalten. Viele der Effekte die ursprünglich vielleicht nur der Bindung zwischen Mutter und Kind gedient haben, haben sich bei Menschen und einigen anderen Primaten auf die Bindung zwischen Sexualpartnern ausgeweitet. So weisen zum Beispiel frisch verliebte Paare einen erhöhten Oxytocin Spiegel im Blut auf.

Die Frage ist nun: Macht Oxytocin denn monogam?

Monogamie ist unter Säugetieren kein besonders häufiges Verhalten. Nur ca. 3-5% aller Säugetierarten sind monogam, die Primaten sind hier allerdings etwas häufiger vertreten als andere Ordnungen.

Am besten erforscht ist die Wirkung von Oxytocin auf das Sexualverhalten jedoch bei einer anderen Familie, der der Wühlmäuse. Es gibt auf der Welt verschiedene Wühlmausarten, die sich alle samt recht ähnlich sind. Einige Arten zeigen jedoch ein ungewöhnliches Verhalten: Die Monogamie. Präriewühlmäuse suchen sich, anders als zum Beispiel ihre umtriebigen Verwandten aus den Bergen, einen Partner für’s Leben. Sind sie einmal eine Paarbindung eingegangen, so bevorzugen sie ihren Partner gegenüber allen anderen Wühlmäusen und sind mitunter sogar gegenüber Fremden sehr aggressiv.

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Diese beiden sehr unterschiedlichen Fortpflanzungsstrategien konnte man recht gut auf die Wirkung der beiden Peptidhormone Oxytocin und Vasopressin zurückführen. Wurde den Tieren zum Beispiel ein Oxytocin-Antagonist gegeben, der die Oxytocin-Rezeptoren im Gehirn blockiert, so kam es trotz genügend Zeit und häufiger Paarung bei den Wühlmäusen nicht zu einer Paarbindung. Bekamen die Tiere hingegen künstlich Oxytocin verabreicht, so bildeten sie auch ohne die Möglichkeit sich zu paaren nach der üblichen Gewöhnungszeit eine dauerhafte Paarbindung.

Der Effekt ist hierbei nicht auf das Oxytocin selbst zurückzuführen, denn das ist bei allen Säugetierarten weitestgehend gleich; die Rezeptoren, an die das Oxytocin im Gehirn andockt hingegen, unterscheiden sich zwischen den beiden Arten an einigen Stellen.

Auch Prärie- und Bergwühlmaus unterscheiden sich in Bezug auf ihre Oxytocin-Rezeptoren. Dies spiegelt sich in den Genen wieder, welche bei den beiden Arten für die Bildung der Oxytocin Rezeptoren verantwortlich sind. Auch beim Menschen gibt es unterschiedliche „Versionen“ des Oxytocin Rezeptors. An verschiedenen Stellen des Rezeptor-Gens gibt es alternative Allele, sogenannte „Single Nucleotid Polymorphisms“ (SNPs).

Für das Oxytocin-Rezeptor-Gen sind bisher 33 solcher SNPs bekannt, einige dieser Polymorphismen wurden bereits auf ihren Einfluss auf das menschliche Sozialverhalten untersucht, wobei interessante Erkenntnisse ans Licht kamen. So wird der SNP rs2268498 zum Beispiel mit Vertrauen und Ängstlichkeit in Verbindung gebracht, rs2254298 scheint unter anderem einen Einfluss auf Trennungsangst zu haben und rs53576 hängt mit prosozialem Verhalten und wiederum Empathie zusammen.

Auch die Verabreichung von Oxytocin kann unser Verhalten in Liebesdingen beeinflussen. So konnte eine Studie der Universität Bonn zeigen, dass Männer, die in einer monogamen Beziehung leben, nach der Gabe von Oxytocin einer attraktiven Versuchsleitern weniger nahe kommen wollten, als ihre Single-Counterparts oder aber als solche die kein Oxytocin bekommen hatten.

All dies deutet darauf hin, dass Oxytocin, vermutlich gleich über mehrere Wege hin einen beachtlichen Einfluss drauf hat wie wir uns zu wem hingezogen fühlen… und zu wem noch.